DER KRIEG von Georg Heym (1887-1912)

Aufgestanden ist er, welcher lange schlief,
aufgestanden unten aus Gewölben tief.

In der Dämmrung steht er, groß und unbekannt

und den Mond zerdrückt er in der schwarzen Hand.

In den Abendlärm der Städte fällt es weit.
frost und Schatten einer fremden Dunkelheit.
Und der Wirbel runder Märkte stockt zu Eis.
Es wird still. Sie sehn sich um.Und keiner weiß.

 

In den Gassen fasst es ihre Schultern leicht.

Eine Frage. Keine Antwort. Ein Gesicht erbleicht.
In der Ferne zittert ein Geläute dünn,
und die Bärte zittern um ihr spitzes Kinn.

 

Auf den Bergen hebt er schon zu tanzen an,
und er schreit: "Ihr Krieger alle, auf und an!"
Und es schallet, wenn das schwarze Haupt er schwenkt,
drum von tausend Schädeln laute Kette hängt.

 

Einem Turm gleich tritt er aus die letzte Glut,
wo der Tag flieht, sind die Ströme schon voll Blut.
Zahllos sind die Leichen schon im Schilf gestreckt,
von des Todes starken Vögeln weiß bedeckt.

 

In der Nacht erjagt das Feuer querfeldein,
einen roten Hund mit wilder Mäuler Schrein.
Aus dem dunkel springt der Nächte schwarze Welt,
von Vulkanen furchtbar ist ihr Rand erhellt.

 

Und mit tausend hohen Zpfelmützen weit
sind die finstren Ebenen flackernd überstreut,
und was unten auf den Straßen wimmelnd flieht,
stößt er in die Feuerwälder, wo die Flamme brausend zieht.

Und die Flammen fressend brennend Wald um Wald,
gelbe Fledermäuse, zackig in das Laub gekrallt,
seine Stange haut er wie ein Köhlerrknecht
in die Bäume, dass das Feuer brause recht,


Eine große Stadt versank in gelbem Rauch.

warf sich lautlos in des Abgrunds Bauch.

Aber riesig über glühnden Trümmern steht,

der in wilde Himmel dreimal seine Fackel dreht,

über sturmzerfetzter Wolken Widerschein,
in des toten Dunkels kalten Wüstenein,
dass eer mit dem Brande weit die Nacht verdorr,
Pech und Feuer träufelt unten auf Gomorrh.

 

 

Mein Deutsch
 

                        Ich liebe DEUTSCH

 

Meine Muttersprache Deutsch ist eine wunderbare poetische Sprache mit einem fließenden, klar definierten Rhythmus, einer Satzmelodie wie ein Musikstück, einem reichen Wortschatz und Wortschöpfungen unserer großen Dichterpersönlichkeiten wie Johann Wolfgang von Goethe oder Berthold Brecht, wie Annette von Droste-Hülshoff oder Ingeborg Bachmann. Deren Werke strahlen heute noch weit über unsere deutschsprachigen Grenzen hinaus, manche ihrer Worterfindungen wurden in fremde Sprachen übernommen.

Als Deutschlehrer habe ich über vierzig Jahre lang meinen Buben und Mädchen die Liebe zur deutschen Sprache und die Sorgfalt bei der Anwendung vorgelebt und ihnen ans Herz gelegt.

Lesen Sie doch mal "Der Krieg" von Georg Heym. Gerade in der heutigen Zeit ist es wieder topaktuell:

                              (1) "Aufgestanden ist er, welcher lange schlief,
                                  aufgestanden unten aus Gewölben tief.

                                  In der Dämmrung steht er, groß und unbekannt,

                                  und den Mond zerdrückt er in der schwarzen Hand.

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Das vollständige Gedicht finden Sie in meinem Blog!

Wenn ich da an Belarus, an Kasachsten oder die Ukraine denke, sträuben sich mir die Haare! In welch starken und eindrücklichen Worten schreibt er über seine Gefühle zum Beginn des Ersten Weltkriegs. Stehen wir heute wieder an so einem Punkt?

Ich habe früher meinen Kindern zum Einschlafen Gedichte vorgelesen, weil die Sprache Emotionen und Charakter bildet. Ob es geholfen hat?

Über den Zustand unserer deutschen Sprache heute - Stand 2021 -  können Sie in meinem Blog weiterlesen.