• Gerhard F. Stegmann

"Der Krieg" - Georg Heym (1887 - 1912)

Aktualisiert: 4. Apr.


Aufgestanden ist er, welcher lange schlief,

aufgestanden unten aus Gewölben tief.

In der Dämmrung steht er, groß und unbekannt

und den Mond zerdrückt er in der schwarzen Hand.

In den Abendlärm der Städte fällt es weit. Frost und Schatten einer fremden Dunkelheit. Und der Wirbel runder Märkte stockt zu Eis. Es wird still. Sie sehn sich um.Und keiner weiß.



In den Gassen fasst es ihre Schultern leicht. Eine Frage. Keine Antwort. Ein Gesicht erbleicht. In der Ferne zittert ein Geläute dünn, und die Bärte zittern um ihr spitzes Kinn.


Auf den Bergen hebt er schon zu tanzen an, und er schreit: "Ihr Krieger alle, auf und an!" Und es schallet, wenn das schwarze Haupt er schwenkt, drum von tausend Schädeln laute Kette hängt.


Einem Turm gleich tritt er aus die letzte Glut, wo der Tag flieht, sind die Ströme schon voll Blut. Zahllos sind die Leichen schon im Schilf gestreckt, von des Todes starken Vögeln weiß bedeckt.


In der Nacht er jagt das Feuer querfeldein,

einen roten Hund mit wilder Mäuler Schrein. Aus dem Dunkel springt der Nächte schwarze Welt, von Vulkanen furchtbar ist ihr Rand erhellt.


Und mit tausend hohen Zpfelmützen weit sind die finstren Ebenen flackernd überstreut, und was unten auf den Straßen wimmelnd flieht,

stößt er in die Feuerwälder, wo die Flamme brausend zieht. Und die Flammen fressen brennend Wald um Wald, gelbe Fledermäuse, zackig in das Laub gekrallt, seine Stange haut er wie ein Köhlerrknecht in die Bäume, dass das Feuer brause recht, Eine große Stadt versank in gelbem Rauch.

warf sich lautlos in des Abgrunds Bauch.

Aber riesig über glühnden Trümmern steht,

der in wilde Himmel dreimal seine Fackel dreht,

über sturmzerfetzter Wolken Widerschein, in des toten Dunkels kalten Wüstenein, dass er mit dem Brande weit die Nacht verdorr, Pech und Feuer träufelt unten auf Gomorrh.